Der Regenbogenbär und der brummelige Tag

 

Diese Geschichte ist für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren zum Vorlesen oder Selbstlesen

 

Im Wald lebte ein Bär mit Regenbogenfell. Nicht knallig wie ein Malkasten, eher so, als hätte jemand mit Wasserfarben über sein Fell gestrichen. Wenn die Sonne darauf schien, konnte man die Farben gut erkennen. Die Tiere mochten ihn. Er half beim Honigsuchen, hörte zu und erzählte manchmal ziemlich schlechte Witze.

„Warum klettert der Frosch nicht auf den Baum? Weil er keinen Baum-Führerschein hat!“ Er lachte dann immer selbst am lautesten.

Aber eines Morgens war er brummelig, nicht traurig, nicht krank, einfach brummelig. Sein Fell sah auch nicht besonders bunt aus. Eher ein bisschen matt, als hätte jemand die Farben vergessen. Am Tag davor hatte ein Hase zu ihm gesagt: „Du bist doch der Regenbogenbär! Du bist immer gut gelaunt!“

Immer? Wirklich immer?

Der Bär fand das anstrengend. Er trottete durch den Wald und knurrte ein wenig vor sich hin. Ein Ast knackte unter seiner Pfote.

„Na toll“, murmelte er. „Jetzt knackt sogar der Wald.“

Da sah er einen Waschbären, der versuchte, einen viel zu großen Apfel über den Weg zu rollen. Der Apfel rollte nach links, der Waschbär rannte hinterher. Der Apfel rollte nach rechts, der Waschbär rannte wieder hinterher. Und dann... plumps... saß der Waschbär im Laub. Der Bär musste schnauben, nicht lachen, einfach nur schnauben.

„Brauchst du Hilfe?“, fragte er. „Nein! Also… vielleicht“, sagte der Waschbär und pustete sich ein Blatt aus dem Gesicht. Gemeinsam schoben sie den Apfel an den Wegesrand. Das ging besser als allein.

„Du wirkst heute anders“, sagte der Waschbär. „Ich bin brummelig“, antwortete der Bär ehrlich. „Ach so“, sagte der Waschbär. „Ich auch. Schon seit gestern.“ Der Bär schaute ihn an.

„Man darf das“, meinte der Waschbär und zuckte mit den Schultern. „Man kann ja nicht jeden Tag fröhlich und so bunt sein wie ein Regenbogen.“ Der Bär musste nun wirklich lachen. „Sehe ich wie ein Regenbogen aus?“ „Na klar“, grinste der Waschbär. "Mit allen Farben."

Der Bär blickte an sich herunter. Sein Fell war noch da und die bunten Farben auch. Sie hatten wohl selbst einen brummeligen Tag.

Und plötzlich war der brummelige Tag gar nicht mehr so groß.

Am Abend lag der Regenbogenbär vor seiner Höhle. Er war nicht besonders fröhlich, aber auch nicht mehr brummelig. Er wusste jetzt: Man darf ein Regenbogenbär sein  und trotzdem mal knurren.

Und am nächsten Morgen erzählte er wieder einen schlechten Witz.

Und wenn er heute wieder brummelig wird, weiß er, auch das geht vorbei.

Hattest du auch schon einmal einen brummeligen Tag?

Was hilft dir, wenn alles ein bisschen knurrig ist?