Manchmal schaue ich alte Bilder an und entdecke darin etwas, dessen Bedeutung mir damals noch gar nicht bewusst war. Genau so geht es mir mit diesen Bildern aus dem Tierpark Sababurg.
Vor einigen Jahren war ich dort gemeinsam mit meiner jüngeren Tochter Caroline. Es war eine Zeit, in der sich in meinem Leben vieles verändert hatte. Die Trennung von meinem Ehemann lag hinter mir, ein neuer Lebensabschnitt hatte begonnen und ich musste meinen eigenen Weg erst wieder finden.
Bei diesem Besuch fiel mir eine ganz besondere Frauenfigur auf. Irgendetwas an ihr zog mich sofort an. Ich setzte mich zu ihr, betrachtete ihr Gesicht und hätte wahrscheinlich noch sehr lange dort sitzen können. Es war schwer zu erklären. Ich fühlte mich in ihrer Nähe einfach unglaublich wohl und vor allem fühlte ich mich an ihrer Seite stark.
Wenn ich heute die ersten Bilder betrachte, fällt mir besonders auf, wie intensiv ich sie anschaue. Auf manchen Fotos gehe ich mit meinem Gesicht ganz nah an ihres heran, auf anderen suche ich regelrecht ihren Blick.
Auch ihr Gesicht fasziniert mich bis heute. Je nachdem, aus welchem Winkel ich sie betrachte, wirkt ihr Ausdruck für mich anders, manchmal nachdenklich und ernst, manchmal fast fürsorglich. Natürlich weiß ich, dass sich der Blick einer Figur nicht verändert, aber vielleicht verändert sich das, was wir selbst darin sehen und fühlen.
Der Schmetterling war schon damals dabei. Erst heute fällt mir noch ein anderes Detail auf diesen ersten Bildern besonders auf: Ich trage ein lilafarbenes T-Shirt mit einem Schmetterling. Damals war es einfach ein T-Shirt. Heute muss ich darüber schmunzeln.
Lila verbinde ich inzwischen mit Spiritualität, Intuition und ein wenig mit der Magie, die manchmal in ganz alltäglichen Dingen liegen kann. Und ausgerechnet der Schmetterling ist über die Jahre zu einem meiner besonderen Begleiter geworden. Für mich steht er für Veränderung, Entwicklung, Loslassen und Neubeginn und er begleitet mich nicht nur als Symbol.
Irgendwann begann ich, Raupen bei mir aufzuziehen. Anfangs habe ich sie gekauft, versorgt und durfte miterleben, wie sie sich verpuppten und schließlich zu Schmetterlingen wurden. Später ging dieser Kreislauf bei mir sogar weiter: Aus Eiern schlüpften neue Raupen, die ich wiederum begleiten durfte.
Am Ende kommt für mich jedes Mal einer der schönsten Augenblicke: Ich lasse die entstandenen Schmetterlinge wieder frei und gebe sie zurück in die Natur. Damit möchte ich im Kleinen auch etwas dazu beitragen, dass wieder mehr Schmetterlinge ihren Weg in unsere Natur finden.
Wenn ich heute auf das alte Foto mit dem lilafarbenen Schmetterlingsshirt schaue, bekommt dieses Detail deshalb für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich möchte daraus keine Vorhersage machen. Vielleicht war es einfach Zufall, aber ich finde es wunderschön, heute darin eine Symbolik meines eigenen Weges erkennen zu dürfen. Denn damals befand auch ich mich mitten in einer Veränderung.
Die Frau hinter der Figur
Hinter dieser Figur steckt eine wirkliche Geschichte. Sie erinnert an eine junge Sámi-Frau, die vor vielen Jahrhunderten gemeinsam mit Rentieren aus dem hohen Norden nach Sababurg kam und sich um die Tiere kümmerte. Nachdem die Rentiere nach und nach gestorben waren, verliert sich auch ihre Spur.
Mehr möchte ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht über ihre Geschichte erzählen, denn für mich ist über die Jahre eine ganz eigene Geschichte mit dieser Figur entstanden.
Seit diesem ersten Besuch gehört sie für mich einfach zur Sababurg dazu. Wenn ich dort bin, zieht es mich irgendwann zu ihr. Ich möchte mich zu ihr setzen, sie anschauen, ein neues Bild mit ihr machen und sie einfach umarmen. Es ist fast zu einem kleinen persönlichen Ritual geworden.
Zwischen diesen Bildern liegt ein Stück meines Lebens
Besonders berührt mich heute der Vergleich zwischen den ersten Bildern und den aktuellen Fotos. Dazwischen liegen einige Jahre und ein ganzes Stück meines Lebens. Auf den damaligen Bildern schaue ich diese Frau immer wieder an. Wenn ich die Fotos heute betrachte, wirkt es auf mich fast so, als hätte ich bei ihr etwas gesucht.
Auf einem der heutigen Bilder sitze ich ihr gegenüber und schaue sie an. Auf einem anderen nehme ich sie ganz selbstverständlich in den Arm und lege meinen Kopf an sie und darin erkenne ich etwas von meiner eigenen Entwicklung.
Damals suchte ich Stärke. Heute weiß ich, dass diese Stärke auch in mir selbst steckt. Vielleicht hat mir diese Figur damals gar keine Kraft „gegeben“. Vielleicht hat sie vielmehr etwas in mir berührt, das bereits vorhanden war und das ich zu dieser Zeit selbst noch nicht vollständig erkennen konnte. Dieser Gedanke gefällt mir. Denn meinen Weg musste ich selbst gehen.
Was seitdem gewachsen ist
Wenn ich heute auf die Frau mit dem lilafarbenen Schmetterlingsshirt zurückblicke, sehe ich mich am Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Seitdem ist viel passiert. Ich bin stärker geworden und ich habe gelernt, meinem Gefühl mehr zu vertrauen und meinen eigenen Weg zu gehen. Auch meine Spiritualität hat darin immer mehr ihren Platz gefunden.
Heute verstecke ich diesen Teil von mir nicht mehr. Ich darf darüber sprechen und schreiben und trotzdem mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Denn für mich gehören Spiritualität und Bodenständigkeit zusammen.
Aus diesem Weg ist schließlich auch Engelsherz entstanden und wächst Stück für Stück weiter.
Meine Bücher und Texte gehören dazu, genauso wie meine Seelenbotschaften, Kartenlegungen und inzwischen auch die Raumharmonisierung. Und ich habe noch weitere Ideen und Angebote im Herzen, die nach und nach entstehen dürfen. Dabei geht es mir um etwas, das der Schmetterling eigentlich wunderschön versinnbildlicht. Ich möchte Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleiten. Nicht, um ihnen vorzugeben, wohin sie gehen sollen und auch nicht, um ihnen Entscheidungen abzunehmen. Sondern vielleicht, um einen Impuls zu geben, Mut zu schenken oder sie daran zu erinnern, welche Kraft bereits in ihnen selbst vorhanden ist.
So wie ich einer Raupe einen geschützten Platz geben und sie versorgen kann, ihre eigentliche Verwandlung aber aus ihr selbst heraus geschieht und irgendwann darf sie ihre eigenen Flügel ausbreiten. Vielleicht schließt sich für mich genau hier ein kleiner Kreis.
Damals war ich selbst in einer Zeit des Umbruchs und saß neben dieser besonderen Frauenfigur, an deren Seite ich mich stark fühlte. Heute möchte ich mit Engelsherz auch anderen Menschen solche kleinen Momente mitgeben: Momente, in denen sie wieder mehr an sich glauben, ihre eigene Stärke entdecken und ihren persönlichen Weg weitergehen können.
Etwas von dem, was entsteht, möchte ich weitergeben
Zu meinem Weg mit Engelsherz gehört für mich noch etwas ganz Wichtiges: das Teilen und Weitergeben.
Deshalb lege ich von dem Geld, das ich mit meiner Arbeit und meinen Angeboten verdiene, beispielsweise mit Seelenbotschaften, Kartenlegungen oder Raumharmonisierungen, immer einen Teil für Spenden zurück. Über das Jahr darf daraus nach und nach etwas wachsen.
Am Ende des Jahres möchte ich diesen Betrag auf verschiedene Organisationen und Herzensprojekte verteilen. Welche das sein werden, entscheide ich nicht lange im Voraus. Ich möchte meinem Bauchgefühl folgen und schauen, wo Unterstützung gebraucht wird und was mich in diesem Moment besonders berührt, denn auch das gehört für mich zu Engelsherz. Denn wenn aus meinem eigenen Weg etwas Gutes entstehen darf, möchte ich einen Teil davon wieder weitergeben.
Heute sehe ich mehr als ein altes Foto. Wenn ich nun diese ersten Bilder anschaue, sehe ich nicht mehr nur einen schönen Tag mit meiner Tochter im Tierpark Sababurg, ich sehe mich selbst am Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Ich sehe diese besondere Frauenfigur, bei der ich mich damals aus einem unerklärlichen Grund wohl und stark fühlte. Ich sehe das lilafarbene T-Shirt und ich sehe den Schmetterling darauf, der mich bis heute begleitet und inzwischen sogar ganz real in meinem Leben seinen Platz gefunden hat.
Dann schaue ich auf die aktuellen Bilder. Auf die Umarmung, auf meinen Kopf an ihrer Schulter und auf den Moment, in dem wir uns gegenübersitzen und plötzlich liegt zwischen diesen Bildern eine ganze Geschichte.
Meine Geschichte
Vielleicht ist genau das für mich Spiritualität im Alltag. Nicht hinter allem unbedingt etwas Übernatürliches finden zu müssen, sondern aufmerksam wahrzunehmen, was uns berührt, was uns begleitet und welche Bedeutung etwas im Laufe unseres Lebens für uns bekommen kann. Aber vielleicht brauchen manche Dinge auch gar keine endgültige Erklärung.
Wenn ich heute meinen Kopf an ihre Schulter lege, denke ich auch ein wenig an die Frau auf den ersten Bildern zurück, an mich selbst mit meinem lilafarbenen Schmetterling auf dem Shirt, mitten in einem Neubeginn und noch ohne zu wissen, was in den kommenden Jahren alles entstehen würde.
Heute würde ich dieser damaligen Version von mir gerne sagen:
Geh deinen Weg weiter, vertraue dir und deiner eigenen Kraft. Du weißt noch nicht, wohin dieser Weg dich führen wird, aber eines Tages wirst du zurückschauen und erkennen, wie viel damals bereits in dir begonnen hat. Und wenn ich das nächste Mal im Tierpark Sababurg bin, werde ich wieder zu dieser Frau gehen. Ich werde mich zu ihr setzen, sie anschauen und sie ganz bestimmt wieder in den Arm nehmen, denn sie ist über die Jahre ein kleines Stück meiner Geschichte geworden.
Nicht, weil sie meinen Weg für mich gegangen ist, sondern weil sie mich heute daran erinnert, wie weit ich selbst gegangen bin und wie schön es sein kann, wenn aus der eigenen Veränderung irgendwann etwas entsteht, das man auch an andere weitergeben darf.
Kommentar hinzufügen
Kommentare